Wanderbloggerin Kathrin im Interview: Wandern ohne Ende Veröffentlicht am 09.04.2017
Wandern ohne Ende!
Klingt das nicht toll? Ist das nicht schön?
Wandern ohne Ende ist nur nicht eine Passion, die ich mit meiner heutigen Interview-Partnerin Kathrin teile, sondern es ist auch passenderweise der Name ihres Blogs, der einst als Wandertagebuch entstanden ist.
Dort findet der wanderbegeisterte Leser viele Tipps zu den verschiedensten Wanderungen in allen Teilen der Schweiz. Durch die lebendigen Berichte mit einer persönlichen Note und die charakteristischen Fotos bekommt man sofort Lust, sich auf die Wanderung zu begeben.
Im heutigen Interview erzählt Kathrin …
✓ … warum sie auch gerne bei Regen wandert,
✓ … wie sie auf neue Ideen für Wanderungen kommt und
✓ … wie ihre Blogeinträge entstehen.
Ich bin Kathrin, stamme ursprünglich aus Bern, wohne aber schon ein paar Jahre in Zürich und bin – wenn ich nicht zu Fuss unterwegs bin – in der Finanzbranche tätig. Ich verbinde mit meinen Blog „Wandern ohne Ende“ zwei meiner Leidenschaften: Wandern und Schreiben. Als Kind hatte ich nichts übrig für die Wanderferien im Wallis und wäre lieber wie meine Freunde ans Meer gefahren – heute muss mich keiner mehr zum Wandern zwingen. Mein Blog ist mittlerweile über ein Jahr alt und wenn ich meine alten Beiträge durchgehe, bin ich manchmal selber verwundert, wie viele Wanderungen ich in dieser Zeit gemacht habe. Die Erlebnisse auf meinen Wanderungen schildere ich in meinem Blog aus einem sehr persönlichen Blickwinkel. Die meisten meiner regelmässigen Leser sind meine Wanderkollegen. Es freut mich aber auch, wenn ich den einen oder anderen durch meinen Blog zum Wandern animieren kann.
1. Bist Du zuFüssler und gerne zu Fuss unterwegs – im Alltag, auf Reisen, beim Wandern oder in der Natur?
Ich bin eindeutig eine „zuFüsslerin“, die – mangels Auto – eigentlich immer zu Fuss unterwegs ist. Und sei es nur zur nächsten ÖV-Haltestelle.
Für mich bedeutet zu Fuss unterwegs zu sein nicht zwingend, langsam unterwegs zu sein: Gerade zur Zürcher Rush Hour kann es schneller – und nervenschonender – sein, ein Stück zu Fuss zu gehen als aufs nächste, überfüllte Tram zu warten.
In der Freizeit bin ich mittlerweile schon fast exzessiv zu Fuss unterwegs. Seit etwas über zwei Jahren bin ich praktisch jedes Wochenende mit den Wander- oder Schneeschuhen unterwegs.
Mein Blog „Wandern ohne Ende“ ist ursprünglich als Tagebuch entstanden, damit ich den Überblick nicht verliere, über all die Wanderungen, die ich schon gemacht habe.
2. Auf Deinem Blog “Wandern ohne Ende” lässt Du Deine Wanderungen Revue passieren. Entstehen Deine Gedanken und Texte bereits unterwegs oder entsteht die Idee für einen Beitrag erst nach Deiner Rückkehr?
Die Ideen für meine Blogeinträge entstehen oft bereits während der Wanderung, vor allem wenn ich alleine unterwegs bin und meine Gedanken fliessen lassen kann.
Meine Wanderkollegen machen auch gerne – mehr oder weniger ernst gemeinte – Vorschläge für Formulierungen oder Blogtitel.
Erste Gedanken über den groben Aufbau des Blogbeitrags mache ich mir in der Regel auf der Heimreise von der Wanderung, gerade bei langen Zugsfahrten schreibe ich auch schon mal einen ersten Entwurf.
Generell bin ich eine „Schnellschreiberin“, wenn ich einmal den roten Faden habe, dem der Blog folgen soll, kommt der Text rundherum wie von selbst.
In der Regel veröffentliche ich den Blog zu einer Wanderung noch am gleichen Abend oder am Tag danach.
3. Welches ist Dein Wanderwohnzimmer, das heisst, wo wanderst Du am liebsten? Warum gefällt Dir diese Gegend/Region so gut?
Mein „Wanderwohnzimmer“ folgt eigentlich meinem realen Wohnzimmer, also meinem Lebensmittelpunkt.
Ich habe lange in der Stadt Bern gewohnt und entsprechend oft Spaziergänge der Aare entlang gemacht. Seit ich in Zürich lebe, entdecke ich einen ganz neuen Teil der Schweiz mit dem Zürcher Oberland oder der Innerschweiz, die sehr einfach mit dem öV erreichbar sind.
Eine Lieblingsgegend habe ich nicht, vielmehr stelle ich bei jeder Wanderung fest, wie schön die Schweiz ist und wie jede Gegend ihren eigenen Reiz hat.
4. Wie wählst Du neue Wanderungen aus? Was ist ausschlaggebend, warum Du eine bestimmte Wanderung machen möchtest?
Ich entdecke gerne neue Gegenden, wandere dorthin, wo ich noch nie war.
Die meisten Wanderungen mache ich über die Mitmacherplattform „Spontacts“, wo jeder Aktivitäten ausschreiben und Gleichgesinnte zum Mitmachen finden kann.
So lerne ich nicht nur neue Leute kennen, sondern auch neue Wanderrouten, die ich alleine nie entdeckt hätte.
5. Wirkt sich die Entschleunigung, viel zu wandern, auch auf andere Bereiche in Deinem Leben aus? Wenn ja, wie?
Ich weiss nicht, ob Wandern immer Entschleunigen ist; auf jeden Fall habe ich schon einige Wanderungen in einem ziemlich beschleunigten Tempo gemacht.
Grundsätzlich ist das Wandern für mich vor allem ein Ausgleich zu meinem kopflastigen Beruf. Ich sitze bei der Arbeit den ganzen Tag im Büro am Computer.
Wandern erlaubt mir, draussen unterwegs zu sein, den Kopf abzuschalten und einmal an nichts zu denken, sondern mich alleine auf den Moment zu konzentrieren.
6. Welches Erlebnis zu Fuss unterwegs, egal ob ein schönes oder nicht so schönes, bleibt Dir besonders in Erinnerung? Warum?
Das Schönste und Eindrücklichste an einer Wanderung für mich ist, auf einem Gipfel anzukommen.
Egal wie lange und steil der Aufstieg war, wenn man oben steht, ist das immer ein erhabenes Gefühl und all die Anstrengung ist vergessen.
Vor zwei Jahren war ich auf dem Piz Languard im Engadin. Wir übernachteten in der Hütte auf über 3000 m. Noch im Dunklen stiegen wir zum Gipfel hoch und warteten auf den Sonnenaufgang.
Die ersten Sonnenstrahlen, die die Wolken zum Leuchten brachten und die schneebedeckten Berge rosarot färbten – das war ein so ein Gipfelerlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
7. Welche besonderen Entdeckungen machst Du zu Fuss unterwegs?
Ich habe vor allem entdeckt, dass man bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit draussen unterwegs sein kann.
Vor ein paar Jahren bezeichnete ich mich noch als „Schönwetterwanderer“; das hat sich grundlegend geändert: Selbst bei strömendem Regen halte ich es heute am Wochenende kaum zu Hause aus.
Ich erinnere mich an eine Wanderung letztes Jahr von der Druesberghütte über den Saaspass auf den Pragelpass: Die Wolken hingen tief über den Berggipfeln, es regnete ununterbrochen und die Wege hatten sich in Bäche verwandelt; am Ziel war ich nass bis auf die Haut und dreckig bis zu den Knien.
Trotzdem blieb mir diese Wanderung positiv in Erinnerung, weil es ein spezielles Erlebnis war, so unmittelbar den Elementen ausgesetzt zu sein und man die Natur bei schlechtem Wetter ganz anders wahrnimmt.
8. Wenn Du länger unterwegs bist, was darf auf keinen Fall fehlen?
Das ist jetzt vielleicht nicht so romantisch, aber was ich immer dabei habe, ist mein Handy (inklusive Powerbar und Ersatzakku): Dank eingebautem GPS und entsprechenden Apps weiss ich jederzeit, wo ich bin und zeichne die gewanderte Strecke auf.
Die entsprechenden Daten verwende ich dann auch für meinen Blog.
9. Mit wem würdest Du gerne mal ein Stück spazieren gehen oder eine Wanderung machen?
Es gibt keine konkrete Person, mit der ich unbedingt unterwegs sein möchte.
Generell mag ich es, mit Leuten zu wandern, mit denen man sich einerseits gut unterhalten, andererseits auch gut schweigen kann.
Nichts ist schlimmer als ein Mitwanderer, der unaufhörlich redet, während man selber kaum noch Luft zum Atmen hat.
10. “Gehen ist des Menschen beste Medizin.” (Hippokrates) Weil …?
…weil es jung und knackig hält.
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