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Richtig gehen will wieder gelernt sein Veröffentlicht am 21.02.2017

Da schreibe ich hier so viele interessante und abwechslungsreiche Beiträge darüber, dass Gehen und zu Fuss unterwegs zu sein so wertvoll und wichtig ist.

Gänzlich unbeantwortet geblieben ist bisher die Frage: Wie geht man richtig? Wie setzt man den Fuss richtig auf? 

Die Antwort auf diese Frage ist von grösserer Bedeutung, als man im ersten Moment glauben mag. Es geht dabei um die eigene Gesundheit, natürlich. Im Gang eines Menschen spiegelt sich aber auch eine philosophische Frage wieder:

Schnell oder langsam? Ökonomisch oder bewusst?

Ein zuFüssler und LangsamMacher wird darauf antworten: Langsam und bewusst.

Nur warum gehe ich dann nicht so? Warum will richtig gehen erst wieder gelernt sein?

In den folgenden Abschnitten wirst du lesen, warum wir als Baby instinktiv richtig gehen lernen und warum uns dieses Können im Laufe des Lebens wieder abhanden kommt. Ich werde unterschiedliche Formen des Gehens gegenüberstellen, das Wie und Warum klären bis hin zur heimlichen Königsdisziplin: barfuss gehen.

Und während du den Artikel liest, wirst du dir wohl auch denken: Richtig gehen will gelernt sein!

Was beeinflusst das menschliche Gehen?

Richtig gehen ist komplex. Aus zwei Gründen.

1. Unser Gang hängt von verschiedenen Faktoren ab

Wir wir gehen wird vom Untergrund beeinflusst, vom Tempo, von unseren Schuhen, von möglichem Gepäck und der Beschaffenheit des Geländes. Ist es steil, eben oder abfallendes Terrain? Nicht zu unterschätzen ist, welchen Einfluss unsere Stimmungslage auf das Gehen hat.

2. Unser Fuss ist ein vielschichtiges und kompliziertes Gebilde

Ein menschlicher Fuss besteht aus fünf Zehen, Vor- und Mittelfuss, Ferse, 28 Knochen, 19 Muskeln und 107 Sehnen oder Bänder. Das Ganze ist umgeben und durchsetzt von einem hochsensiblen Nervengeflecht, welches die Wahrnehmung – also auch die Gefühle beim Auftreten – steuert. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass die Oberfläche des menschlichen Fusses viel grösser ist als die der meisten anderen Landtiere?

Die Beschaffenheit unserer Füsse und unser alltägliches Drumherum ermöglichen uns Menschen, auf vielfältige Art und Weise gehen zu können. Verschiedene Optionen bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile. Meistens aber machen wir davon keinen Gebrauch.

Ganz wie es Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie bewiesen hat, verhalten sich alle Lebewesen so, dass sie sich gut an ihre Umgebung anpassen. Auch wir Menschen sorgen mit unseren Handlungen dafür, dass wir uns mit möglichst wenig Energie viel potentiell Gutes tun. Verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren ist keine Option, es kostet schlicht zu viel Zeit und Kraft.

Das ist beim Gehen nicht anders.

Doch es mag nicht immer angebracht sein, aus rein zeitlichen und ökonomischen Gründen zu handeln.

Auch beim Gehen nicht.

“Die Normalität ist eine gepflasterte Strasse; man kann gut darauf gehen – aber es wachsen keine Blumen auf ihr.” (Vincent van Gogh, niederländischer Maler, 1853 – 1890) 

Denn wir haben unseren Gang an unsere schnellebige Zeit, unser immer angenehmer (nicht besser!) werdendes Schuhwerk, unsere latente Zeitnot und die ebenen und anspruchslosen Oberflächen, auf denen wir laufen, angepasst.

Dabei haben wir es als Baby schon besser gewusst. Dabei sind wir, als wir gehen lernten, instinktiv richtig gelaufen.

Dummerweise vergessen wir das leider viel zu schnell.

Wie gehe ich richtig?

Falls du gerade die Gelegenheit dazu hast, beobachte doch einmal die Menschen, die gerade an dir vorbei laufen. Wie laufen sie? Wie setzen sie den Fuss auf? Oder betrachte ein Foto eines gehenden Menschen. Oder, noch besser, gehe selbst ein paar Schritte. Was fällt dir auf?

Richtig.

Alle setzen die Ferse zuerst auf und rollen nach vorne ab.

Richtig gehen will wieder gelernt sein - Fersengang

Foto: www.unsplash.com

Schnell im Alltag sein mit den Fersengang

Die meisten Menschen gehen im Fersengang. Dieser Gang hat Vorteile, wie es auf den ersten Blick scheint. Mit dem Fersengang sind wir Menschen am schnellsten unterwegs. Er gibt uns am meisten Halt. Auf den begradigten Strassen und asphaltierten Wegen, auf denen wir vornehmlich laufen, lässt uns der Fersengang am ökonomischsten gehen. Ökonomisch im Sinne von schnell, effizient, gewohnheitsmässig.

Was wir dabei gerne übersehen: bei jedem Schritt donnert ein Fersengang-Geher seine Ferse mit seinem Körpergewicht auf den festen Untergrund. Die Erschütterung, die dabei entsteht, geht buchstäblich durch Mark und Bein oder besser durch die gesamte Knochenkette des Körpers. Die möglichen Folgen sind nicht nur ein Fersensporn, sondern auch Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen.

Gefördert wird das Gehen über die Ferse auch durch unsere immer bequemeren Schuhe. Schuhe mit Fersenpolsterung oder Fussbett federn die Wucht des Aufpralls beim Aufsetzen der Ferse ab. Deshalb nehmen wir ihn kaum wahr. Unser Körper merkt es trotzdem, das ist das Verflixte dabei.

Richtig gehen will gelernt sein - Auswirkung des Gehens auf den Körper

Bild: www.zentrum-der-gesundheit.de

Richtig gehen im Ballengang

Angenehmer für den Körper ist der Ballengang. Im Ballengang, dem ruhigen Pendant zum Fersengang, setzt du zuerst den Vorderfuss auf und senkst dann den Hinterfuss, die Ferse, auf den Boden.

Wusstest du, dass kleine Kinder, die gerade laufen lernen, instinktiv im Ballengang unterwegs sind? Der Ballengang ist also unsere angeborene Fähigkeit der Fortbewegung zu Fuss. Sie wird im Laufe der Lebensjahre immer weiter zurückgedrängt, weil die Kinder es den Erwachsenen nachmachen. Und die Erwachsenen versuchen, wie beschrieben, ökonomisch unterwegs zu sein und wechseln dauerhaft in den Fersengang.

Interessanterweise gibt es einige Formen der Bewegung, bei denen wir auch als Erwachsene noch automatisch im Ballengang laufen. Beim Treppensteigen und beim Tanzen zum Beispiel. Aber nicht sehr viel häufiger.

Dabei bringt der Ballengang erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich. Die wichtigsten dabei sind die Heilung gegen Venenleiden und die Aktivierung von Herz und Lunge. Im Ballen befindet sich eine Reflexzone für Herz und Lunge, die somit durch jeden Schritt positiv stimuliert und regelmässig aktiviert werden. Weniger Atemwegsbeschwerden sind eine Folge davon.

Im Gegensatz zum Fersengang wird beim Ballengang nicht die Knochenkette, sondern die Muskelkette des Körpers angesprochen. Durch das Aufsetzen des Ballens wird die Muskelpumpe bis in alle Körperschichten aktiviert und sorgt so für einen ununterbrochenen Blutdurchlauf. Krampfadern wird so der Kampf angesagt.

Um den Ballengang zu fördern, gibt es immer häufiger Barfuss-Schuhe zu kaufen. Diese Schuhe haben keine Fersenpolsterung und nur eine sehr dünne Sohle, so dass sie das Barfussgehen perfekt imitieren. Man hat das Gefühl, barfuss zu gehen, und ist trotzdem vor Verletzungen durch spitze Steine oder Dornen geschützt.

Warum Barfuss-Schuhe?

Weil barfuss gehen richtig gehen bedeutet. Weil barfuss gehen das Paradebeispiel des Ballengangs ist.

Richtig gehen will gelernt sein - Gehtechniken

Bild: www.zentrum-der-gesundheit.de

Am besten für unsere Füsse – barfuss gehen

Wenn wir barfuss unterwegs sind, denken wir nicht im Traum dran, zuerst die Ferse in den Boden zu hauen. Ganz im Gegenteil. Mit unserem sensiblen Fussballen wollen wir zuerst feststellen, wie der Untergrund beschaffen ist. Deshalb setzen wir den Ballen auf und stellen fest, ob wir den Schritt schmerzfrei machen können.

Barfuss geht man bewusst. Langsam. Leise. Man schaut, wohin man tritt. Man geht achtsam.

Man möchte richtig gehen.

Langsam richtig gehen – das klingt nach einem vorzüglichen Ziel für die eigene Gesundheit, für alle LangsamMacher und zuFüssler.

Richtig gehen will wieder gelernt – und gewollt sein

Egal, ob du im Alltag viel gehen möchtest, einen Spaziergang machst, auf Reisen zu Fuss unterwegs bist oder ob du wanderst, versuche es doch mal im Ballengang oder – bei wärmeren Temperaturen – barfuss.

Es ist eine konsequente und starke Umstellung notwendig, wenn du deinen jahre- oder jahrzehntelangen Gang ändern möchtest. Das geht nicht von heute auf morgen. Es braucht einen eisernen Willen. Erfahrungsberichte aus dem Internet berichten von ersten Erfolgen, die sich bereits nach zwei Wochen einstellen (zum Beispiel hier).

Du magst vielleicht gerade denken, dass es für andere komisch aussieht, wenn du den Ballengang versuchst. Glaube mir, andere Menschen können das überhaupt nur sehen, wenn sie dich genau beobachten. Die Unterschiede für zwischen Ballen- und Fersengang sind nicht so deutlich und offensichtlich für einen Beobachter. Für deinen Körper schon.

Wäre es nicht richtig schön, viel zu Fuss unterwegs zu sein und dadurch viel für seinen Körper und Geist zu tun – und dabei auch noch richtig zu gehen? Und zwar so, dass es für deinen Körper eine echte dauerhafte Wohltat ist?

Ich denke, das ist es.

Darum gehe ich jetzt gleich mal einen Spaziergang im Ballengang machen. Und dann frage ich in einem Schuhgeschäft nach Barfuss-Schuhen.

Grau ist alle Theorie, es in der Praxis umzusetzen ist die eigentliche Kunst!

Was denkst Du: Wirst du den Ballengang einmal ausprobieren?

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Beitragsfoto: Unsplash

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