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5 Wanderungen im Schweizer Nationalpark, die du dir nicht entgehen lassen solltest Veröffentlicht am 28.10.2016

Er war das Thema meiner Abschlussarbeit im Bereich Umweltmanagement.

Er ist der einzige seiner Art im Land.

Er ist der Älteste im gesamten Alpenraum.

Er ist das grösste Wildnisgebiet in der Schweiz.

Er, das ist der Schweizer Nationalpark.

Das Wichtigste zum Schweizerischen Nationalpark

Gegründet wurde der Schweizerische Nationalpark, oder etwas kürzer Schweizer Nationalpark oder ganz kurz SNP, am 1. August 1914. Ein besonderes Datum, denn der 1. August ist gleichfalls der Nationalfeiertag der Schweiz.

Die Initiative zur Gründung ging gleichermassen von Einheimischen und Naturschützern aus, deren damalige Weitsichtigkeit den Generationen nach ihnen ein landschaftliches Juwel hinterlassen hat. Heute ist dieser Nationalpark eine streng geschützte Wildnislandschaft mit einem durch dynamische und naturbelassene Prozesse unvergleichlichem Charakter.

Im Süden der Schweiz gelegen, im Unterengadin, ganz in der Nähe des Nationalparks Stilfser Joch in Italien, vereint das Schutzgebiet hochalpine Elemente mit dem Charme der Südalpen sowie einem intensiven Waldcharakter.

Für das erste Kennenlernen lohnt ein Besuch im modernen und interaktiv gestalteten Nationalparkzentrum im Hauptort Zernez, wobei die Architektur des Gebäudes als nüchterner Betonklotz denkbar unpassend wirkt. Der Interessierte wird spielerisch und informativ durch die drei Hauptanliegen des Schutzgebietes geführt:

Schützen

Der Schweizerische Nationalpark ist ein Schutzgebiet der höchsten Kategorie der Weltnaturschutzunion IUCN. Die Natur ist sich selbst überlassen und es darf nichts verändert werden. Das Ziel des Parks geht über den reinen Artenschutz hinaus. Der Schutz des Lebensraumes mit seinen natürlichen Prozessen und die Erhaltung des Ökosystems sind langfristige Vorhaben, die oberste Priorität geniessen.

Forschen

Im Mittelpunkt der Grundlagen- und Langzeitforschung im Park steht die Frage: Wie entwickelt sich die Natur ohne Zutun des Menschen? Der Schweizerische Nationalpark als Freiluftlaboratorium mit nur minimalen menschlichen Störungen und langjähriges Monitoring schaffen dafür ideale Bedingungen. Bereits in den ganz frühen Anfangszeiten des Parkbestehens, schon 1917, wurden die ersten Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet. Aufgrund dieser weit zurückreichenden Datenreihen hat der einzige Nationalpark der Schweiz seine Bedeutung als attraktiver Forschungsstandort aufgebaut.

Informieren

Das Schutzgebiet hat eine Grösse von 170 qkm, in dem 80 Kilometer auf 21 verschiedenen Wanderwege dem Besucher zugänglich gemacht worden sind. Dem Gast sollen die natürlichen Zusammenhänge näher gebracht werden, indem die unberührte Natur in ihrer Wildheit erlebt werden darf. Wache Sinne sind von Vorteil und machen den Aufenthalt im Park umso lohnenswerter. Wanderungen im Park sind durchgehend spannende Naturerlebnisse, wo viele Alpentiere aus kurzer Distanz beobachtet werden können.

 

Schweizer Nationalpark - Munt la Schera

Die besten Zeiten zum Wandern im Schweizerischen Nationalpark hängen von den Vorlieben eines jeden Besuchers ab:

  • Im Juni und Juli kann man am besten die farbenprächtige Alpenflora und Jungtiere geniessen.
  • Im Juli und August ist die beste Zeit für höhergelegene Wanderungen, wie es Tour “Die Königliche” aus diesem Bericht ist.
  • Von Mitte bis Ende September strömen Menschen aus dem gesamten Land herbei, um die berühmte Hirschbrunft im Park intensiv miterleben zu können.
  • Im Oktober lockt der Herbst mit seinen bunten Farben, goldgelben Lärchen und relativ wenigen anderen Gästen.

 

Im Winter bleibt der Park geschlossen, damit die Tiere in kalter Jahreszeit genügend ungestörte Ruhe finden, um die harte Zeit gut zu überstehen.

Um die Schutz der Natur zu gewährleisten und sie unverändert zu belassen gibt es strenge Regeln, die im gesamten Schutzgebiet Anwendung finden. Parkwächter überwachen Einhaltung dieser Schutzbestimmungen und sind deshalb regelmässig im Park anzutreffen.

Die wichtigsten Bestimmungen sind:

  • auf den markierten Wegen bleiben,
  • alle Abfälle wieder mitnehmen,
  • keine Pflanzen, Pilze oder Tiere aus dem Park mitnehmen,
  • Tiere nicht berühren und nicht füttern.

5 Wanderungen im Schweizer Nationalpark, die du nicht verpassen darfst

Der Klassiker: Zernez – Chamanna Cluozza – Murtersattel – Ofenpasstrasse

Vom Hauptort des Nationalparks, Zernez, führt ein gut angelegter Wanderweg in angenehmen, mal etwas steileren Kehren durch einen schönen Lärchen- und Fichtenwald. Am höchsten Punkt der Wanderung auf knapp 2100 Metern lockt ein weiter Blick ins wildromantische Val Cluozza, in dem die einzige bewirtschaftete Hütte im Park, die Chamanna Cluozza, liegt. Nach 3,5 Stunden Wanderzeit ist die Hütte erreicht. Eine Übernachtung inmitten der Wildnis ist ein bleibendes Erlebnis.

Am zweiten Tag führt der knapp zweistündige Anstieg auf den Murtersattel, der eine der besten Gelegenheiten für Tierbeobachtungen im gesamten Park ist. Hier oben tummelt sich in der ersten Morgensonne des Tages alles an Wildtieren, was der Park zu bieten hat – und meist alles auf einmal: Murmeltiere, Gämsen, Hirsche und Steinböcke.

Ein meist knieschonend angelegter Abstieg führt zurück in die Zivilisation, an die Ofenpasstrasse, wo regelmässig ein Bus bis nach Zernez fährt.

Schweizer Nationalpark - Tierbeobachtungen am Murtersattel

Die Wildromantische: Il Fuorn – Alp la Schera – Spöltal – Ofenpasstrasse

Vom altehrwürdigen Hotel Il Fuorn, der einzigen anderen Möglichkeit, im Nationalpark zu übernachten, führt ein wunderbarer, teils mystisch angehauchter Waldweg hinauf zur herrlich gelegenen Alp la Schera. Wenn man aus dem dichten Wald heraustritt auf die idyllische Freifläche der Alp, stockt einem vor lauter landschaftlicher Schönheit fast der Atem. Nachdem man seine Luft wiedergefunden hat, blickt das Auge in die Weite der Berge, hinunter zum Livigno-Stausee, hinüber zum Murtersattel und kann sich dabei gar nicht satt sehen.

Leicht absteigend führt der Weg nun durch einen lauschigen Lärchen-Fichten-Föhrenwald in Richtung des wilden Spölflusses. Vorbei an markanten Einzelbäumen wird der Bergbach auf einer Holzbrücke überschritten und führt dann im steten Auf und Ab auf sanftem Waldpfad am Flussufer entlang zurück in Richtung Ofenpasstrasse.

Eine Wanderung zum Geniessen und Verweilen, zum Staunen und zum Eintauchen in die Natur.

Schweizer Nationalpark - Alp la Schera - ein Postkartenidyll

Die Windige mit Gipfelglück: Munt la Schera

Die Windige mit Gipfelglück ist eine Rundwanderung von angenehmer Länge. Der Aufstieg beginnt wie bei der Wildromantischen (siehe oben) beim Hotel Il Fuorn über die Alp la Schera. Von dort steigt der Wanderweg zwingend hinauf zum runden Gipfelaufbau des Munt la Schera.

Das letzte Stück hinauf zum Gipfel auf 2.587 Metern muss man sich erkämpfen. Oben angekommen erwartet den Wanderer neben einem kalten Wind vor allem eines: eine famose 360-Grad-Aussicht in die Berge des Schweizerischen Nationalparks und des Engadins.

Das Gipfelplateau überschreitend, führt der Abstieg durch nun offenes Gelände im weiteren Verlauf aus dem eigentlichen Parkgebiet heraus und durch noch genutztes Alpgelände hinab nach Buffalora in der Nähe des Ofenpasses.

Wer hier im Herbst wandert, schon ausserhalb des Schutzgebietes, während der Jagdsaison, kann unverhofft auf Jäger treffen. Die Konfrontation mit Jägern, die gerade ein Tier erlegt haben, dessen Artgenossen man kurz vorher noch in freier Wildbahn beobachtet hat, muss erst einmal verarbeitet werden.

Schweizer Nationalpark - Schutzgebiet versus Jagdtradition

Die steinige und wildreiche Kombination: Fuorcla Val dal Botsch – Val Mingèr

Ein nur sanft ansteigender, waldreicher Beginn lässt den Wanderer noch nicht erahnen, in welch’ alpine Höhen und Sphären er sich nur zwei Wanderstunden später begibt. Ist der Aufstieg zur Fuorcla Val dal Botsch (2.677 Meter) durch intelligent angelegte Serpentinen noch eher angenehm zu bewältigen, lässt der steinige Abstieg durch eine Geröllwüste alpines Gedankengut aufkommen. Ein gewisses Urvertrauen in die eigenen Schritte ist dabei hilfreich und willkommen.

Eine kurze Traverse hinüber ins Val Mingèr hat dann einen viel einfacheren Charakter. Belohnt wird der Wanderer nach all den Mühen mit einem vortrefflich positionierten Rastplatz, inmitten einer grandiosen Bergwelt, und der riesigen Gelegenheit, Hirsche in Dutzendware beobachten zu können.

Das Val Mingèr ist eines der wildreichsten im gesamten Nationalpark! Das letzte Stück des Weges führt wieder durch dichten und duftenden Nadelwald hinab und endet an einer Bushaltestelle.

Fernglas nicht vergessen!

Schweizerischer Nationalpark - 5 Wanderungen, die Du nicht verpassen darfst

Die schöne und herausfordernde Königin: die Seenplatte von Macun

Wem all das noch nicht spektakulär genug war, dem sei die Königsetappe empfohlen. 1500 Höhenmeter Anstieg und ungefähr sieben Stunden Wanderzeit erfordern eine ausreichende Kondition.

Der zum Schluss über Blockgelände führende Anstieg auf den Munt Baselgia auf fast dreitausend Metern Höhe setzt ein gesundes Mass an Trittsicherheit voraus. Belohnt werden all die Mühen mit einem wundervollen Blick über 23 kleine Bergseen, die auf der Hochfläche von Macun liegen. Ein landschaftliches Faszinosum, welches am besten Ende Juli und Anfang August bestaunt werden sollte.

Über eine kurze Passage auf dem Berggrat führt der Wanderweg hinunter auf eben diese Hochfläche. Es lohnt sich, Zeit mitzubringen und hier oben zu verweilen.

Der weitere Abstieg ist lang, aber weit weniger herausfordernd als der technisch schwierigere Anstieg.

Schweizerischer Nationalpark - Gipfelbuch auf dem Munt Baselgia

Organisation und Planung für das unterwegs Sein im Nationalpark

Alles rund um den Nationalpark findet sich auf dessen umfassender Webseite.

Alle offziellen Wanderungen, ihre Länge und Dauer sowie die aktuelle Begehbarkeit der Wege im Nationalpark finden sich hier: Wandertouren.

Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt am besten via SBB.

Übernachtungen in Zernez als mögliche Basisstation: das familiengeführte Hotel Baer (mit Touristenlager als preiswertere Alternative) oder im Hotel Crusch Alba mit seinem ausgezeichneten Frühstücksbuffet.

Übernachtungen im Schweizerischen Nationalpark: Chamanna Cluozza und Hotel Il Fuorn.

“Die Natur braucht sich nicht anzustrengen, bedeutend zu sein. Sie ist es.” (Robert Walser, 1878 – 1956, schweizerischer Schriftsteller)

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