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Waldbaden – oder was Bäume für deine Gesundheit tun Veröffentlicht am 11.10.2016

“Bäume haben etwas Wesentliches gelernt: nur wer einen festen Stand hat und trotzdem beweglich ist, überlebt die starken Stürme.” (Anke Maggauer-Kirsche, geb. 1948, deutsche Lyrikerin und Aphoristikerin)

 

Lehne Dich zurück.

Schliesse die Augen.

Du siehst dich in einem Wald spazieren gehen. Um dich herum stehen die sanften Riesen, Bäume, die fast schützend wirken mit ihren Baumwipfeln und festen Stämmen.

Mit allen fünf Sinnen, die du hast, geniesst du die Stimmung im Wald. Hörst das Rauschen der Blätter oder das Zwitschern der Vögel. Spürst die erfrischende Kühle des Waldes. Riechst den mal frischen, mal modrigen Geruch im Wald. Siehst das viele Grün, das auf dich beruhigend und entspannend wirkt. Erfreust dich an den Lichtspielen zwischen den Bäumen. Im Sommer probierst du eine lecker süss schmeckende Waldbeere, eine Walderdbeere oder Himbeere zum Beispiel. Vielleicht sprichst du sogar mit den Bäumen, so wie manche Menschen mit ihren Pflanzen sprechen.

Du badest im Wald.

Denn das ist Shinrin Yoku: Waldbaden.

Waldbaden - die Kräft der Bäume

Waldbaden ist eine amtliche Anweisung aus Japan – aus Gesundheitsgründen

Waldbaden ist eine japanische Erfindung. Sogar eine richtig offizielle von Amtswegen, denn das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forst und Fischerei prägte den Begriff Shinrin Yoku im Jahre 1982.

Shinrin Yoku bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie “Baden in der Waldluft”.

Oder in einem Wort ausgedrückt: Waldbaden.

Waldbaden gehört in Japan mittlerweile offiziell zur Gesundheitsvorsorge. Das Wissen darüber hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert.

Das hat sehr gute und triftige Gründe.

  • Studien haben bewiesen, dass ein Aufenthalt im Wald, idealerweise ein Spaziergang, unser Immunsystem positiv stimuliert und auch einen Schutz vor Krebs bietet.
  • Darüberhinaus bietet das Waldbaden durch seine erholende und entspannte Wirkung einen brauchbaren Schutz gegen unsere vielen Zivilisationsschäden, wie zum Beispiel Stress und depressive Stimmungen.

 

Waldbaden fördert unser physisches und psychisches Wohlergehen.

Es ist nicht allein die Magie oder die Kraft der Bäume oder das Erleben der natürlichen kleinen Wunder, die dafür sorgen. Es sind vor allem die vielen unterschiedlichen Mikrobakterien, die sich an Bäumen, Sträuchern und Pflanzen oder in der Luft befinden und mit denen wir im Wald in Berührung kommen.

Der reine Sauerstoff, den wir im Grünen einatmen dürfen, tut sein Übriges. Je reiner der Sauerstoff, desto intensiver das Glücksgefühl.

Bäume kommunizieren miteinander. Diese Kommunikation kann unser Körper durch chemische Botenstoffe, ätherische Öle, spüren, die buchstäblich in der Luft liegen. Die Aufnahme dieser Botenstoffe sorgt in unserem Körper sofort für die Aktivierung und Vermehrung unserer Immunzellen. Das wiederum verstärkt unsere Abwehrkräfte.

Möchtest du mehr über “Das geheime Leben der Bäume” erfahren, dann empfehle ich dir das gleichnamige Buch vom Baum- und Waldflüsterer Peter Wohlleben.

Vielleicht ist es gut, nicht nur mit den Bäumen zu sprechen, sondern sie auch einmal so richtig herzlich zu umarmen. Das scheint eine wirklich gute und gesunde, wenn auch unorthodox aussehende, Idee zu sein.

Waldbaden - was Bäume für deine Gesundheit tun

7 nützliche Tipps für ein möglichst intensives Waldbaden

Da das Waldbaden als eigene Disziplin in Japan erfunden wurde, ist es dort auch Gegenstand medizinischer Forschung. Einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet ist Qing Li, der an der Nippon Medical School in Tokio Wald-Medizin lehrt und erforscht.

Von ihm stammen hilfreiche Ratschläge, wie du das Waldbaden am besten für dich intensivierst und erlebst. Diese hat er in verschiedenen Studien und Experimenten zusammengetragen und veröffentlicht.

Beim Waldbaden geht es nicht nur um einen Spaziergang in den Wald, sondern auch um einen längeren Aufenthalt im Wald. Die sanfte Wirkung der Bäume und der Natur kann sich erst dann richtig entfalten, wenn der Mensch einige Zeit dort verbringt. Waldbaden solltest du nicht abarbeiten wollen, sondern Musse und Zeit mitbringen. Gut Ding will Weile haben!

Qing Lis Empfehlungen, zusammengefasst, sind:

  1. Für einen Ganztagesausflug empfehlen sich vier Stunden Waldbaden und eine Distanz von fünf Kilometern. Steht nur ein halber Tag zur Verfügung, halbiert sich entsprechend auch die empfohlene Dauer und Strecke.
  2. Waldbaden soll nicht ermüden. Wirst du trotzdem müde, nimm dir Zeit für eine Erholungspause.
  3. Mache dort Pause, wo du dich wohlfühlst. Waldbaden geschieht nach deinem eigenem Empfinden. Suche dir einen schönen Patz zum Ausruhen. Du kannst dabei lesen, beobachten oder auch meditieren.
  4. Um Stress abzubauen plane einen Tag im Wald ein.
  5. Um das Immunsystem zu stärken, sollen es mindestens 2-3 Tage sein.
  6. Waldbaden ist dein individuelles Erlebnis. Wähle Ort und Zeit nach deiner Konstitution aus und nach deinem Belieben.
  7. Vergiss nicht, etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen mitzunehmen.

Beim Waldbaden geht es um das Geniessen, nicht allein um das Tun

Waldbaden ist natürlich kein Bad im eigentlichen Sinne des Wortes. Waldbaden meint das bewusste und tiefe Eintauchen in die Stimmung des Waldes. Das Erleben und Empfinden der Natur im Wald.

Es ist dabei nicht wichtig, sich körperlich zu verausgaben. Sondern einfach dort zu sein, im Wald. Sich der grünen Welt im Wald auszusetzen. Die Seele baumeln zu lassen.

Beim Waldbaden sollst du dich und deinen Körper verwöhnen. Das wohltuende Grün wahrnehmen, die leisen Töne von Flora und Fauna vernehmen und die ganze beruhigende und unbefangene Atmosphäre in dir aufnehmen.

Und nun öffne deine Augen wieder.

Es ist Zeit, aus der virtuellen Vorstellung ein echte Tat werden zu lassen. Eine echt gute Tat für dich. Am besten stehst du auf, ziehst Schuhe und Jacke an und gehst zur Tür. Treffen wir uns vor der Haustür.

Machen wir am besten gleich einen Waldspaziergang und halten uns eine Weile im Wald auf. Unser Atem gibt den Takt vor.

Wenn wir zurückkommen, werden wir uns wohl und lebendig fühlen. Glücklich und munter.

Wir werden ein Gefühl des Geniessens erfahren haben, das süchtig macht.

Und uns gesund hält.

Ich ging im Walde so vor mich hin

Ich ging im Walde
So vor mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümlein stehn,
Wie Sterne blinkend,
Wie Äuglein schön.

(Auszug aus dem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Schriftsteller, 1749 – 1832)

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