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Darum ist lesen des Wanderers Lust Veröffentlicht am 10.09.2016

 

“Lesen ist ein grosses Wunder.” (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

Lesen kann ich überall. Fast.

Andere, so scheint es, auch.

Am letzten Wochenende traf ich auf einer Berghütte im Tessin eine schweizer-deutsche Familie. Mama und Tochter wählten den einfachen Hüttenanstieg, Vater und der 10-jährige Sohn machten eine Gipfelüberschreitung über den höchsten ganz auf Tessiner Boden befindlichen Gipfel, den Pizzo Campo Tencia. Seines Zeichens ein Dreitausender. Das Abendessen auf der Hütte führte uns zusammen an einen Tisch. Vater und Sohn waren fast 11 Stunden unterwegs. Eine lange Bergtour, die müde macht.

Warum ich das erzähle?

Auf dem Gipfel, der nur erfahrenen und trittsicheren Wanderern vorbehalten ist – las der Sohn ein Buch. 10 Jahre alt, ich wiederhole mich.

Er las Harry Potter. Das neue Buch. “Harry Potter und das verwunschene Kind”. Allerdings die englische Version. Noah, so hiess der Sohn, nahm sich dafür 45 Minuten auf dem Gipfel Zeit.

Obwohl er, wie er mir erzählte, total müde gewesen sei und sie noch rund vier Stunden Abstieg vor sich hatten. Die Aussicht auf die umliegende Bergwelt hätte ihn nicht interessiert. Es sei sonst keiner oben auf dem Gipfel gewesen. Und das Buch sei gerade so spannend.

Lesen fetzt” schreibt Janine vom Bücher- und Literaturblog “kapri-ziös”, die gerade zu #buchpassion aufruft. Wahrscheinlich dachte sich Noah so etwas Ähnliches als er auf 3000 Metern über Meer zum Buch griff.

Wie ich zu dem Leser wurde, der ich heute bin

Gelesen habe ich schon immer gern. Früher nicht so regelmässig. Während des Studiums ausser Fachliteratur eigentlich gar nichts, ich las ja ohnehin schon genug.

Dann entdeckte ich vor einigen Jahren das Lesen wieder. Eher zufällig, weil es mich vom beruflichen Stress abschalten liess. Alles begann mit Reiseberichten. Die verschlinge ich regelrecht. Noch heute. Nicht irgendwelche Reiseberichte, sondern die besonderer Reisen, von aussergewöhnlichen Unternehmungen, von einem tiefen Eintauchen in fremde Kulturen.

Das Buch, mit dem alles begann, war “Der verheissungsvolle Weg” von Philippe Valery. Philippe war zu Fuss unterwegs, natürlich möchte man fast denken, und zwar von Marseille bis nach Kaschgar. Gelesen habe ich es 2004 oder 2005. Seitdem kann ich nicht mehr aufhören, mich von solchen Reportagen begeistern und in andere Kulturen ein- und entführen zu lassen.

Möglicherweise gäbe es zuFussunterwegs ohne dieses eine Buch beziehungsweise durch den Enthusiasmus, den es ausgelöst hat, heute nicht … ich denke es, aber ich werde es nie wissen.

In meinem Leseportfolio befinden sich neben den erwähnten Reportagen ausserdem Krimis, Klassiker, Romane und Sachbücher aus allen Bereichen. Ich liebe und brauche diese Abwechslung. Nach einem interessanten Sachbuch freue ich mich auch immer, wenn Commisario Montalbano auf Sizilien nicht nur Kriminalfälle löst, sondern einer neuerlichen kulinarischen Verlockung einmal mehr nicht widerstehen kann.

Ich lese meist am Abend oder am frühen Morgen, wenn ich im Bett liege. Ich lese, wenn ich auf meiner Couch liege. Und meist lese ich, wenn ich unterwegs bin. Ich gehe auf keine Wanderung mehr, ohne ein Buch dabei zu haben. Entweder als echtes Buch, eines was man noch anfassen kann, oder als eBook auf meiner Kindle-App.


Bewusst agieren: mit seinem Kopf da sein, wo die Füsse gerade stehen.
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Warum also nicht lesen während oder nach einer Wanderung?

Kommen wir zurück zu Noah, der auf dem Gipfel gelesen hat. Auf einem Gipfel stehen und lesen – das habe ich noch nicht gemacht. Weil ich bei einer solchen Gelegenheit lieber das Panorama ringsum geniesse. Mich über meinen Erfolg freue. Auf das Geleistete stolz bin. Einfach im Hier und Jetzt sein möchte. Mittendrin.

Ich liebe es aber trotzdem auch, während oder nach einer Wanderung zu lesen.

Während einer Wanderung immer dann, wenn ich an einem lauschigen, angenehm warmen und windgeschützten Plätzchen vorbeikomme und noch genügend Zeit habe, um an mein Tagesziel zu kommen. Dann packe ich gerne mein Buch aus, lege den Kopf auf den Wanderrucksack und lese. Das ist für mich ein Lebensgefühl, eine Glückssache, ein Zeitluxus, schlicht eine grosse Freude.

Oder, alternativ, wenn ich dann später an meinem Tagesziel angekommen bin, idealerweise einer gemütlichen Berghütte, bestelle ich oft ein erfrischendes Getränk, ein Stück Kuchen und hole mein Buch wieder hervor.

Lesen beim Wandern ist für mich Entspannung. Es steigert mein Wohlbefinden, wenn ich spüre, wie der Körper sich langsam erholt, während ich ein spannendes oder interessantes Buch lese. Nachdem der Körper gearbeitet hat, darf er sich ausruhen und der Geist wird gefordert.

Ich werde kreativ, wenn ich im Grünen zu Fuss unterwegs bin. Das bemerke ich immer häufiger. Es liegt sicher zum einem am beruhigenden Umfeld, den ein Aufenthalt in der Natur mit sich bringt. Es liegt aber auch an den gedanklichen Anstupsern, die ich durch meine Lektüre – in dieser natürlich inspirierenden Umgebung – erhalte.

Aufpassen muss ich lediglich, dass ich vor lauter Lesen nicht den Moment vergesse. Nicht vergesse, gerade auf einer Wanderung zu sein. Das ist aber absolut kein Problem: ein Blick in einen lichtumspielten Wald, ein Blick auf eine farbenfrohe Blumenwiese, ein Blick auf ein charakteristisches Stilleben in einer Ortschaft, eine nette Begegnung oder ein Blick auf die faszinierenden umliegenden Berge – und schon bin ich ob solcher Schönheit mit meinem Kopf wieder da, wo meine Füsse gerade stehen.

Mein Bekenntnis zum Buch

Ein Buch, das ist und bleibt etwas Besonderes. Auch ich gehöre zu den Menschen, die kein Buch wegwerfen.

Jedes Buch hat eine Wirkung auf seinen Leser. Es gibt Studien, die beweisen, dass jemand, der viel liest, emphatischer wird. Aus dem Grund, weil man es schafft, sich in verschiedene Rollen und Figuren hineinzuversetzen.

Lesen bildet und erweitert den Horizont, eröffnet neue Sichtweisen. Gibt Denkanstösse. Es erweitert den Wortschatz und es hilft dabei, besser beim Schreiben formulieren zu können.

Und für mich mit das Wichtigste: es hilft beim Stressabbau. Auch das ist durch die Forschung belegt. Ein Buch zu lesen hilft, den Sorgen und Aufgaben des Alltags entfliehen zu können und gibt neue Energie, diese später bewältigen zu können.

Lesen kann ich also fast überall.

Am besten und am liebsten in der Natur. Weil es da meist angenehm still ist. Und keinerlei Stress ausgeht von der Idylle im Grünen.

Gerne auch weiterhin auf meiner Couch, im Bett oder auf meinem Balkon.

Selbst an einem lebendigen Ort inmitten einer Stadt. Wenn es nicht soviel Verkehrslärm hat oder andere penetrant laute Geräusche. Oder im Zug, wo mich das gleichmässige Rattern leicht in Lesestimmung versetzt.

Zu Fuss unterwegs zu sein und lesen haben etwas gemeinsam: beide sind Tätigkeiten, die Zeit erfordern. Langsam sind. Entschleunigen. Gelassen machen. Mit minimalistischen Mitteln auskommen.

Und das macht mir Spass. Macht mich glücklich. Lässt mich entspannen und erholen.

Das ist “mein Bekenntnis zum Buch”, getreu dem Motto von #buchpassion.

Surfst du noch oder liest du schon?

Und wie hoch ist eigentlich dein SuB? Dein Stapel ungelesener Bücher?

 

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