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Entschleunigung – ein leichter Schritt zu mehr Glück im Alltag Veröffentlicht am 06.09.2016

“Anstatt menschliche Wesen zu sein, sind wir zu menschlichen Handelnden geworden. Drosselt das Tempo, ihr werdet weiter kommen , als ihr euch jemals vorgestellt habt.” (Satish Kumar, “No Destination”)

 

Was macht dich in deinem Alltag glücklich?

Kannst du darauf spontan eine Antwort geben? Ich kann es für mich tun:

Entschleunigung!

Entschleunigung ist kein Modephänomen. Wenn doch, dann ein durchaus sehr langwieriges. Wenn du bei Google nach Entschleunigung suchst, erscheint relativ weit oben ein Artikel von Spiegel Online aus dem Jahr 2001: “Entschleunigung: Der Trend zu weniger Tempo”. 15 Jahre ist das schon her.

Wir Menschen, vor allem in der westlichen Welt, bemerken also schon eine Weile, dass es uns zu schnell wird in unserem Leben. Und das Lebenstempo wird immer noch schneller. Findet man da überhaupt noch Zeit, Kraft und Gelegenheit, es anders machen zu können?

Entschleunigung mag sich immer noch wie ein Luxus anfühlen. Etwas, das zu erreichen zwar wunderschön wäre, aber eigentlich nicht im Alltag notwendig ist und für das man sowieso keine Zeit hat.

Wirklich?

Ist es nicht viel mehr mittlerweile für viele Menschen eine Notwendigkeit geworden? Ein Bedürfnis gar?

Was bedeutet Entschleunigung eigentlich?

Wenn ich schreibe, Entschleunigung hilft mir zur Steigerung meines Alltagsglücks, was meine ich mit Entschleunigung?

Ich meine, bewusst aus der Hektik des gesellschaftlichen Alltags auszubrechen. Ihr entgegenzutreten. Ich meine, die Eigendynamik, die eine immer ausgefeiltere Technologie mit sich bringt und unser Leben immer schneller werden lässt, durch gewollte Eigenmassnahmen zu minimieren. Gegensteuern. Aktiv eingreifen, wo es mir als einzelnem Menschen möglich ist.

Ich möchte mein Leben nicht in schneller Geschwindigkeit an mir vorbeirasen lassen. In einem Tempo, welches ich nicht selbst steuern kann, von dem ich mitgerissen werde im Strudel der täglichen Ereignisse. Wir scheinen verlernt zu haben, dass es auch langsamer geht. Und das nicht einmal schlimm ist.

Deswegen: Ich suche auch die Wiederentdeckung der Langsamkeit.

Das Ziel dabei: Jeden Tag, lang und ausgefüllt zu gestalten! Das Gefühl bekommen, Zeit zu haben und auch sinnvoll nutzen zu können.

Nicht immer nur nach vielen verschiedenen Eindrücken suchen, sondern mir die Chance verdienen, die kleinen und grossen Momente intensiv zu erleben. Ich wünsche mir mehr Augenblicke, die mich gedanklich beschäftigen, mich zum Lachen oder auch mal zum Weinen bringen. Die Emotionen in mir hervorrufen, aufrütteln oder etwas in mir auslösen.

Sind wir doch mal ehrlich! Das sind doch genau die Momente, die lange in Erinnerung bleiben. Von denen man zehrt. Die Kraft geben für Weiteres und einen Menschen wachsen lassen.

Wie schaffe ich es, mehr Langsamkeit in meinen Alltag zu bringen?

Claudia Hammond schreibt in ihrem Buch “Time Warped: Unlocking the mysteries of time perception”, dass unsere Zeitwahrnehmung davon abhängt, was wir mit unserer Zeit anfangen. Wenn wir also von Termin zu Termin hetzen, haben wir auch das Gefühl, dass die Tage immer schneller vorbeigehen. Wenn wir das auch noch jeden Tag immer gleich machen, was bleibt dann noch an Besonderem?

Eine gute Möglichkeit, zu entschleunigen, ist demnach, aus der täglichen Routine auszubrechen. Die Dinge auch mal anders zu machen. In einer anderen Reihenfolge, wo möglich. Mal einen anderen Weg zur Arbeit nehmen. Am Samstag mal nicht in die grossen Shopping-Center strömen, sondern mal etwas ganz anderes machen. Wandern zum Beispiel oder auch mal etwas Musisches wie Malen, Musizieren, Tanzen. Vor allem Dinge machen, die naturgemäss Zeit brauchen – und eine innere Ruhe dazu.

Natürlich ist auch zu Fuss unterwegs zu sein eine ideale Möglichkeit der Entschleunigung. Egal, ob im Alltag, in der Natur, auf Reisen oder beim Wandern. Zu Fuss unterwegs zu sein macht frei und unabhängig. Schon aus einem ganz einfachen Grund: du allein entscheidest, wo du lang gehen möchtest und wieviel Zeit du dafür hast.

Und zu guter Letzt: gelegentlich innehalten und umschauen. Ja, wirklich. Ganz bewusst. Stehenbleiben. Auch mal umdrehen und zurückblicken. Menschen und Umgebung nicht nur ins Auge fassen, sondern wahrnehmen. Neue Erfahrungen machen und mit ihnen umgehen. Auch das kann man nämlich verlernen.

Was bringt mir Entschleunigung in meinem Alltag?

Entschleunigung klappt nicht von heute auf morgen. Es ist auch keine einmalige Sache. Man muss am besten täglich entschleunigen. Um seiner selbst willen. Immer und immer wieder. Das erfordert Selbstdisziplin, Kraft, Energie und Zeit. Solange, bis man sich ausgeglichen und innerlich ruhig fühlt.

Oder auch solange, bis das gute Gefühl da ist, tatsächlich Stress abzubauen. Wieder mehr Energie zu spüren, Lust und Laune auf Neues, Neugierde auf Unbekanntes.

Eines der schönsten Elemente aus der Wiederentdeckung der Langsamkeit: gefühlt mehr Zeit haben. Diese auch sinnvoller und nach eigener Façon zu gestalten. Und tatsächlich dadurch mehr Zeit zu finden, um andere Sichtweisen zu entdecken. Verschiedene Blickwinkel wahrzunehmen. Neue Leidenschaften zu erkennen. Oder einfach mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Und eben nicht nur täglich auf Bekanntes und Zweckmässiges reduziert zu werden.

Aus all diesen Dingen entsteht Kontrolle. Ein hartes Wort, ein unschönes. Nennen wir es besser die Fähigkeit, die Dinge wieder mehr in die eigene Hand zu nehmen. Selbstbestimmter zu leben. Nicht im Strudel der Hektik unterzugehen, sondern die Kraft zu haben, den eigenen Geist aus diesem Sog herauszuhalten.

Ein eigener Wille ist unabdingbar dafür. Aber wer will denn nicht einen möglichst grossen freien Gestaltungsspielraum für sein eigenes kurzes Leben?

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage: Was macht dich in deinem Alltag glücklich?

Es ist durchaus möglich, dass du bei dieser Frage erst einmal kurz nachdenken musst. Das ist weniger eine Frage, die Antwort zu wissen. Sondern wohl eher eine Gelegenheit, einmal bewusst darüber nachzudenken. Womöglich führen dich deine Gedanken auch über die gegenteilige Frage ans Ziel:

Was macht dich in deinem Alltag unglücklich? Was stresst dich?

Meine heutige Empfehlung für dich: sei mehr zu Fuss unterwegs. Entschleunige. Lebe langsamer und, wo möglich, nach einem Rhythmus, der dir gut tut.

Dein unmittelbarer Nutzen: langsamer -> bewusster -> glücklicher!

Langsamer – die Entschleunigung hilft dir, dich zu erholen und mehr Zeit zu finden für die Dinge, die dir wichtig sind.

Bewusster – du bekommst unweigerlich eine stärkere Verbindung zu dir selbst.

Und mit allem findest du damit mehr Glück in deinem Alltag.

Und eigentlich ist es ganz einfach: Schritt für Schritt!

 

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