Slow Travel – wie du diese Kunst des Reisens für dich entdeckst Veröffentlicht am 23.08.2016
“Slow Travel ist vor allem ein Loblied auf das Ungeplante, auf das Loslassen.” (Dan Kieran)
Ich weiss nicht, wie alt du bist. Und eigentlich ist das auch nicht wichtig.
Wichtig ist, dass auch du sehr wahrscheinlich ein Gefühl kennst, dass alle Menschen in ihrem Leben erleben werden.
Das Gefühl, immer weniger Zeit zur Verfügung zu haben.
Und die Empfindung, dass die Zeit mit zunehmendem Alter immer schneller vergeht. Man gar nicht mehr fassen kann, wo die Zeit schon wieder hin ist.
Das kennst du sicher auch. Stimmt doch, oder? Deswegen ist es auch gar nicht wichtig, wie alt du bist. Sondern ausschlagebend ist, wie du mit dieser Ahnung der rasenden Zeit umgehst.
Es gibt Studien von Zeitforschern, die empfehlen, “aufregende und neuartige Erlebnisse” zu schaffen, die dir das Gefühl geben, die Zeit zu dehnen.
Das klappt am besten, wenn du beginnst, Dinge auch mal anders zu machen. Deine eigenen Routinen zu verändern. Nicht immer im täglich gleichen Rhythmus zu leben. Indem du bewusst neue, andere und auch langsamer erscheinende Erlebnisse suchst, die dir helfen dich vom hektischen Alltag klar abzugrenzen.
Nichts Hyperdynamisches oder ein Erlebnis nach dem anderen. Sondern dich besonnen und wissentlich auf einige bestimmte Begebenheiten konzentrierst.
Indem du langsamer machst.
Auf das Reisen bezogen bedeutet das: slow travel. Langsames Reisen.
Slow Travel ist eine direkte Folgeerscheinung der Slow Food – Bewegung. Die begann in den 1980er Jahren in Italien aus Protest gegen die Eröffnung eines McDonald’s in Rom.
Slow Food und slow travel gehören beide zum slow movement.
In meinen eigenen Worten sage ich dazu: es geht um die Wiederentdeckung der Langsamkeit.
In allen Bereichen des Lebens. Nicht nur beim Essen und Reisen. Sondern auch im Alltag. Beim Lesen. Warum nicht auch beim Geldverdienen oder in der Wirtschaft?
Im heutigen Artikel geht es um die Wiederentdeckung der Langsamkeit beim Reisen. Slow travel also.
Slow Travel – sei dein eigener Reiseführer
Bevor du weiterliest, überlege dir doch einmal, wie du slow travel für dich definieren würdest? Wann kannst du für dich sagen, dass du langsam reist?
…
Und, wie sieht deine Antwort aus?
Für mich persönlich sind es fünf Merkmale, die langsames Reisen ausmachen:
- Sich Zeit nehmen – ohne Stress, Hektik und eng gefüllten Zeitplan unterwegs sein
- Langsam reisen von A nach B – nicht auf dem schnellstmöglichen oder direkten Weg.
- Verweilen – den Moment geniessen und einfach mal bleiben können, wo es mir gefällt.
- Intensiv reisen – nicht möglichst viele verschiedene Reiseziele in einer gegebenen Zeitspanne, sondern Eintauchen in die Kultur, Landschaft und Gegebenheiten vor Ort.
- Der Weg ist das Ziel – das Leben beobachten.
Und hier kommt das Warum! Warum langsames Reisen so schön ist:
Nur so, denke ich, kannst du in eine Beziehung mit deiner Umwelt treten.
Nur so kannst du bewusst und achtsam reisen.
Nur so bist du in der Lage deiner Reise die Tiefe zu verleihen, die du dir selbst vorstellst – und die den Menschen in deiner Reisedestination auch gerecht wird.
Slow Travel – höre auf dein Bauchgefühl und folge deinem Instinkt
Das Wichtigste beim slow travel ist die Geschwindigkeit, mit der du unterwegs bist. Und die sollte langsam sein.
Edward Abbey, ein amerikanischer Naturforscher und Schriftsteller, sagte dazu einmal:
“Vom Auto aus kannst Du nichts sehen; du musst diese verdammte Vorrichtung verlassen und zu Fuß losgehen, besser noch, loskriechen, auf Händen und Knien, über den Sandstein, durch Dornengebüsch und Kakteen. Erst wenn Blut deine Spur markiert, wirst du eventuell etwas sehen.”
Ganz so martialisch muss es wohl nicht sein. Aber wir verstehen gut, was er meint.
Die Idee ist es also, langsam zu reisen. Im Grunde genommen so langsam wie möglich. Nicht mit dem Flugzeug von einem Ort zum anderen düsen. Auch nicht im Auto unantastbar durch die Gegend fahren.
Sondern – so langsam wie möglich reisen.
Warum?
Um die Veränderungen beobachten zu können, die sich von Kilometer zu Kilometer ergeben. Um das zu erleben, was dir eine hohe Geschwindigkeit verwehrt – die Menschen vor Ort, ihre Kultur, ihren Alltag, die besondere Landschaft.
Fremde nicht nur zu treffen, sondern auch kennenzulernen.
Es sind die zufälligen und ungeplanten Begegnungen, die eine Reise nachhaltig in Erinnerung belassen. Mehr als die Dutzendware an Sehenswürdigkeiten, die du im Stundentakt abgehakt hast.
Höre auf dein Bauchgefühl, wenn du langsam auf Reisen unterwegs bist. Es wird dir den richtigen Weg weisen!
Langsam reisen kann einfach sein. Es kann aber auch beschwerlich sein. Manches muss man sich hart erarbeiten oder erkämpfen. Meist lohnt sich das, denn das Glücksgefühl hinterher ist umso grösser.
Slow Travel heisst in seiner langsamsten Form, zu Fuss unterwegs zu sein.
Aber nicht nur. Sondern es gibt auch viele andere Möglichkeiten.
So zum Beispiel die folgenden sieben Vorschläge:
#1 Auch mal von A nach B, zum Beispiel von Dorf zu Dorf, gehen. Wandern. Spazieren.
#2 Ein Ausflug mit dem Fahrrad machen, statt mit dem Mietwagen.
#3 Auf kleinen Strassen oder Nebenwegen reisen.
#4 Eine Stadt zu Fuss erkunden: die unerwartete Kostbarkeit eines Stadtspaziergangs kennenlernen. Nicht S-Bahn oder Metro nehmen. Auf Schusters Rappen durch die Strassen ziehen.
#5 Mit dem lokalen öffentlichen Verkehr reisen (Bus, Tram, Zug). Oder auch mal mit dem Schiff auf einem Fluss.
#6 Sich die Zeit und den Mut nehmen, mit Einheimischen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen.
#7 Länger an einem Ort bleiben. Den Alltag kennenlernen. In die Umgebung eintauchen. Einen Ausflug in die Natur machen.
Der Mensch freut sich am meisten, wenn er selbst etwas geschafft hat. Denn: die Aussicht und das erlebte Glück werden umso grossartiger sein nach einem langen und beschwerlichen Weg!
Slow Travel – sei offen für Neues und Unerwartetes
Löse dich auf deiner Reise von Vertrauten. Finde den Mut, Neues auszuprobieren. Lasse es zu, dass dich Unerwartetes überraschen darf.
All das wird dir helfen, deine Sinne zu schärfen und die Welt um dich herum mit anderen Augen zu betrachten. Neue Blickwinkel zu entdecken. Neue Sichtweisen kennenzulernen.
Du wirst im Hier und Jetzt reisen, nicht in Traumwelten. Dein Bewusstsein wird sich schärfen für das, was du erlebst. Du wirst süchtig werden nach diesen kleinen besonderen und ungeplanten Begegnungen und Erlebnissen.
Diese sind es, die dir ewig in Erinnerung bleiben.
Das ist es doch, was das Reisen ausmacht? Das ist doch eine besondere Kunst des Reisens, die man gerne beherrschen möchte.
Am Ende deiner Reise steht dann die Erkenntnis, dass die Macht der Gewohnheit und der angenommenen Hektik gebrochen werden kann. Wenn man es nur will und sich die Zeit dazu nimmt.
Und dann wirst du auch feststellen, dass die Zeit für einmal nicht gerast ist, sondern du tief eingetaucht bist in das gerade zu Ende gegangene Erlebnis.
Die Zeit anzuhalten, das geht nicht. Auf Reisen aber kann man sie nachhaltig verlangsamen.
Durch langsames Reisen. Durch slow travel.
Egal in welchem Alter.
P.S.: Du findest Slow Travel als Reisekonzept interessant? Dann empfehle ich dir das Buch* “Die Kunst des Reisens” von Dan Kieran. Im Buch erzählt Kieran von den spannenden und kurzweiligen Geschichten unterwegs, die er aufgrund seines langsamen Reisens erlebt hat. Lesenswert!
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