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6 schöne Pilgerwege in Europa Veröffentlicht am 05.07.2016

Weit und lange zu wandern, ist im Trend.

Eine Möglichkeit, dies zu tun, sind Fernwanderwege. Eine andere Option sind Pilgerwege. Eine dritte, die Königsdisziplin sozusagen, sind eigens aufgestelle Fernwanderungen. Ein Beispiel dafür wäre Philippe Valery mit “Der verheissungsvolle Weg”.

Während die ersten beiden mehrheitlich durchgängig markiert sind, braucht es bei der dritten Option Verständnis, wenn nicht gar Künste, in Planung und Navigation.

Im heutigen Artikel widme ich mich der zweiten Option: Pilgerwege, und zwar in Europa.

Und beginne mit der Frage: warum pilgern Menschen?

Pilgerwege stammen aus dem Mittelalter oder aus noch früheren Zeiten. Sie sind aus religiösen oder spirituellen Gründen entstanden. Meist, um den Weg eines Heiligen nachzuwandern oder ein heiliges Ziel am Ende der Reise zu erreichen.

Religiöse Gründe sind es aber mehrheitlich nicht mehr, die die Menschen zum Pilgern treibt. Die Universität Trier hat herausgefunden, dass es mehrheitlich spirituelle Antriebe sind, die den Wanderer auf Pilgerwege zieht.

Es ist eine Reise zu sich selbst, mehrere hundert oder auch tausend Kilometer zu Fuss unterwegs zu sein. Die Sehnsucht nach Langsamkeit, um aus dem hektischen oder immergleichen Alltag auszubrechen. Schritt für Schritt, um Abstand zu gewinnen, Probleme und Sorgen hinter sich zu lassen, hin zu dem Gefühl, befreit zu sein. Ein langer Weg, sich selbst besser kennenzulernen und auch ein bisschen neu zu erfinden.

Vor allem aber: sich selbst etwas Gutes zu tun – seinem Körper, den Sinnen und dem Geist.

Das Erlebnis einer Pilgerreise ist aber auch die Suche nach einem einfachen Leben ohne Luxus und Konsum. Ein Leben voller unerwarteter Überraschungen und Begegnungen. Sich täglich in der Natur fortzubewegen, diese intensiv zu erleben. In andere Kulturen einzutauchen oder Pilger aus anderen Ländern zu treffen, und gemeinsam weiterzuwandern.

zuFussunterwegs nennt dir 6 der schönsten Pilgerwege in Europa

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Quelle: Fotolia

#1 Jakobsweg (Camino de Santiago)

Warum ist der Weg das Ziel: die angebliche (historisch nicht gesichert) Grabstätte des heiligen Jakobus liegt in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Der finale Hauptweg folgt dabei der hochmittelalterlichen Verkehrsachse in Nordspanien, die verschiedene Königsstädte miteinander verbindet (z.B. Pamplona und Burgos).

Fernwanderweg und Pilgerreise: einfach bewusst auf dem Jakobsweg

Von wo nach wo: DER Pilgerweg schlechthin startet über all aus Europa ein Netzwerk aus Wegen mit dem einen Ziel: Santiago de Compostela.

Länge: das letzte gemeinsame Stück aller Routen, der Camino Francés, beträgt 800 Kilometer.

Markierung: die Jakobsmuschel.

Informationen: Christoph betreibt einen einen Blog rundum den Jakobsweg und hat viele Informationen, auch die, die so nicht im Reiseführer stehen. Ansonsten gibt es in den Weiten des Internets unzählige andere sehr gute Informationsquellen über den Jakobsweg und seine Zubringerwege.

Bekanntheitsgrad: Sehr hoch, nicht erst seit Hape Kerkelings bekanntem Buch. Ab den Pyrenäen ist der Jakobsweg sehr stark frequentiert. Am besten nicht im Hochsommer gehen wegen der Hitze und der (zu) vielen Pilger.

Aktualität: Christof von einfach bewusst ist gerade von Nürnberg nach Santiago de Compostela gepilgert. 3000 Kilometer lang. In seinem liebevoll gestalteten eBook kannst du noch einmal jeden Tag virtuell mitwandern und erleben. 

#2 Olavsweg (Olvasvegen)

Warum ist der Weg das Ziel: die nordische Variante des Jakobsweges wurde 2010 zum Europäischen Kulturweg ernannt. Schon im Mittelalter eines der wichtigsten Pilgerziele Skandinaviens, bietet der Weg heute noch absolute Naturnähe durch die wilde Schönheit Norwegens. Das Ziel ist der Nidarosdom, in der der Heilige König Olav begraben liegt.

Von wo nach wo: Viele Wege führen auch hier zum Ziel. Durch Dänemark, Schweden und Norwegen bis in den hohen Norden nach Trondheim zum Nidarosdom.

Länge: Das gesamte Streckennetz beträgt 5000 Kilometer. Der Hauptweg, von Oslo zum Nidaros-Dom in Trondheim, beträgt 643 Kilometer.

Markierung: das rote Olavkreuz auf weissem Grund.

Informationen: Auch der Olavsweg hat seine eigene Seite.

Bekanntheitsgrad: Eine noch wenig begangene Route, die aber mit der steigenden Popularität Skandinaviens immer mehr Pilger anzieht.


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#3 Frankenweg (Via Francigena)

Warum ist der Weg das Ziel: Alle Wege führen nach Rom. Genau das ist auch das Ziel des Frankenwegs, der bis zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus in der Ewigen Stadt führt. Einer der ältesten Pilgerwege, da es Hinweise gibt, dass bereits in der Antike Pilger nach Rom gezogen sind. Seit 1994 ist der Frankenweg als Europäische Kulturstrasse ausgezeichnet. Auch bekannt als “Via Romea”.

Von wo nach wo: Eine Pilgerreise, die durch das (ehemalige) Frankenreich, aus England oder Frankreich startend, nach Rom führt.

Länge: Knapp 2000 Kilometer auf der als Hauptroute geltenden Strecke von Canterbury nach Rom.

Markierung: ein gelbes Pilgermännchen.

Informationen: Alles Wissenswerte zum Frankenweg findest du hier.

Bekanntheitsgrad: Der Weg ist mittlerweile recht gut erschlossen. Er reicht aber noch lange nicht an den Bekanntheitsgrad von Jakobsweg oder Olavsweg heran. Der Pilger hat die Wege noch eher für sich alleine – Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung sind daher fast garantiert.

#4 Paulusweg

Warum ist der Weg das Ziel: Pilger und Wanderer folgen den Spuren des Apostel Paulus vom Mittelmeer zur heiligen Stadt Antiochia (heute Yalvaç) in Pisidien, wo Paulus missionarisch gewirkt haben soll. Zahlreiche Höhepunkte warten auf die Pilger, zum Beispiel die antike Stadt Adada, landschaftliche Schönheiten wie der türkisblaue Eğirdir-See oder auch Mauleselwege, die durch Zedern- und Wacholderwälder führen. Der Weg lockt mit intensiven Einblicken in die ländliche Türkei und bietet daher auch nicht durchgehend Unterkünfte. Zelt mitnehmen!

Von wo nach wo: In der Türkei. Vom Meer in die anatolische Hochebene. Oder: aus der Nähe Antalyas hinauf auf eine Höhe von 2200 Metern und dann nach Yalvaç.

Länge: 500 Kilometer in (empfohlenen) 27 Tagesetappen.

Markierung: Weiss (oben)- rote (unten) Markierung, der polnischen Flagge nicht unähnlich.

Informationen: Alles Wichtige findet sich auf dieser englischsprachigen Seite.

Bekanntheitsgrad: Nur eingefleischten Trekkern und Wanderern bekannt.

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#5  Martinsweg (“Centre Culturel Européen Saint Martin de Tours”)

Warum ist der Weg das Ziel: Auf den Spuren des heiligen Martins von Tours einmal quer durch Mitteleuropa wandern. Bekannt als der grosse Weg des Teilens, ebenfalls dem heiligen Martins, der durch seine grosse Nächstenliebe und Güte bekannt ist, nachempfunden. Das Motto also: Wer teilt, gewinnt.Ein kleiner Aha-Effekt – Martinstag und Martinsgans kommen von eben diesem Martins von Tours.

Von wo nach wo: Vom Geburtsort des Heiligen in Szombathely in Ungarn führt der Weg zu seiner Grabstätte nach Tours in Frankreich.

Länge: Es gibt nicht den einen Weg, da der heilige Martin nicht in einem Stück von Ungarn nach Frankreich gelangt ist, sondern auch in Slowenien und Italien unterwegs war. Entsprechend gibt es verschiedene Touren, auf denen die Pilger unterwegs sind.

Markierung: Auf den verschiedenen Routen unterschiedliche Markierungen, unter anderem ein Reiter.

Informationen: Ein Blog widmet sich dem Martinsweg.

Bekanntheitsgrad: Eher unbekannt, zumindest der osteuropäische Teil des Weges. Abschnitte, zum Beispiel in Slowenien und auch auf der Strecke zwischen Venedig und Tours, sind nur geübten Wanderern vorbehalten, da sie über alpine Berghänge führen.

#6 Benediktweg

Warum ist der Weg das Ziel: Das Benediktinerstift St. Paul im Kärnten sollte 1789 auf Geheiss des Kaisers geschlossen werden. Eine Gruppe Benediktinermönche aus Spital am Pyhrn machte sich auf den Weg, um es wieder zu eröffnen. An diese Reise erinnert der Benediktweg.

Von wo nach wo: Grenzüberschreitend von Oberösterreich nach Slowenien. Von Spital am Pyhrn via Seckau in der Steiermark bis nach Gornij Grad in Slowenien.

Länge: 315 Kilometer (15 Tagestappen).

Markierung: Sehr markant – ein grünes Dreieck mit einem rot-weissen Dreieck darin.

Informationen: Auf den Spuren des Ordensgründers Benedikt von Nursia.

Bekanntheitsgrad: Kaum bekannt, eher selten begangen.

 

Weit und lange zu wandern, ist im Trend.

Und das ist gut so.

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“Es kommt niemals ein Pilger nach Hause, ohne ein Vorurteil weniger und eine neue Idee mehr zu haben.” (Thomas Morus)

 

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